Ganz Kleine kommen ganz groß raus

Im Saal ist es laut. Man hört Kindergeschrei, Stühlerücken und ganz viele Stimmen, die durcheinander reden. Ich lasse auf der Suche nach Schauspielern, die ich interviewen möchte, den Blick durch den Raum schweifen. Direkt zu meinen Füßen sitzen fünf Kinder im Schneidersitz, die geschäftig über ihre letzte Probe diskutieren.
Sie sind alle Nachwuchsschauspieler aus der Theaterklasse der 5. Jahrgangsstufe am Thomas-Mann-Gymnasium und spielen für ihr Leben gern Theater. Im Alter von gerade mal zehn bis elf Jahren stand jeder von ihnen schon öfters auf der Bühne. Einige sind seit der Grundschule dabei und haben wahrscheinlich schon mehr Theaterstücke gesehen als viele Menschen in ihrem ganzen Leben. Eines der Mädchen sieht gerne Ballett, aber dafür mag sie keine Opern. Die andere schaut am liebsten Musicals. Doch die Kinder sind sich einig: wenn Theater, dann poppig, spannend oder lustig.
Ob sie Lampenfieber haben, bevor sie selbst spielen? Während der Aufführung keine Spur, aber direkt davor ein bisschen. Schließlich haben sie neben den regulären zwei Stunden unter der Woche die letzten Wochen wöchentlich sogar bis zu sechs Stunden gespielt, gesungen und sogar gerapt, bis ihr aktuelles Stück perfekt sitzt. Das ist natürlich stressig, neben dem Schulzeug und anderen Freizeitaktivitäten, Freunden und Familie, aber sie können sich trotzdem nichts Schöneres vorstellen, als auf der Bühne zu stehen. Am ersten Festivaltag führen sie nachmittags ihre Eigenproduktion "Betreten verboten" vor. Das Thomas-Mann-Gymnasium steht in Kooperation mit den Münchner Kammerspielen, woher, wie mir die Kinder verraten haben, auch ihre Requisiten kommen.
Mich interessierten die Beweggründe der Schauspieler. Die eine spielt, weil sie Schauspielerin werden möchte, ein anderer fühlt sich frei auf der Bühne. Da gibt es viele verschiedene Gründe, aber einen haben alle Kinder gemeinsam: Es macht ihnen einfach riesigen Spaß.    

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