Unser goldener Käfig

Nach dem üblichen dreifachen "Toi toi toi" vom Publikum beginnt das Stück "Leonce" mit einem Videoclip. Schüler, die erzählen, was sie an München - ihre Heimat - bindet oder eben auch nicht. Auch später erzählen die Schüler immer von ihren aktuellen Überlegungen. Gleich danach stehen einige Schauspieler auf der Bühne und versuchen sich stumm aus Netzen zu winden. Ab hier ist die Zuschauerschaft animiert den Kopf einzuschalten und beginnt zu reflektieren. Sie nimmt die stimmige Bühnengestaltung wahr, denn alles ist in weiß-gold gehalten und spiegelt das Thema des goldenen Käfigs perfekt wider.

Zum einen sind wir in einem Käfig gefangen und können unser wirkliches Ich nicht entfalten, zum anderen ist dieser Käfig golden und zeigt unsere Behütung. Das gesamte Gesprochene wurde mit einer grandiosen Bewegung der Schauspieler untermalt. Wenn man sich auf die Botschaft eingelassen hat, war man noch einige Zeit danach am Denken. Sogar während des Stücks wurde das Publikum in diesen Reflexionsprozess mit einen Augenspiel eingeführt. Was ist Freiheit? Wer kennt uns? Wie stellen wir uns unsere Zukunft vor? Sind wir aus Einfachheit an die allgemeine Meinung der großen Bevölkerung gebunden? Das Stück endete mit der Botschaft, dass sich jeder aussuchen kann, ob er im goldenen Käfig bleiben möchte oder aus diesem ausbricht.

Kritisch ist die Musik zu betrachten, die zwar durchaus passend gewählt war, aber die reflektierte Ruhe mit ihrem lauten Sound zerstörte.

Ihr Stück "Leonce" ist an das Buch "Leonce und Lena" von Georg Büchner angelehnt, wie bei der Stückbeschreibung ersichtlich ist. Die Künstler verraten bei der Nachbesprechung, dass sie im Unterricht kleine Szenen entwarfen, die ihre Leben betrafen. Erst danach brachten sie diesen in Verbindung mit dem Text von Büchner. So war Original-Büchner mit Modernem verbunden. Beim Feedback äußerte eine Zuschauerin, dass ihr während des Stücks mehrfach die Tränen über das Gesicht gelaufen waren. Diese Ergriffenheit kann wohl kein Beobachter von sich selbst verleugnen. Das Publikum war zu jeder Zeit mit höchster Aufmerksamkeit dabei und auch das Lachen an passenden Stellen musste man nicht missen. Nach Beendigung des Stücks herrschte zunächst Stille, so gerührt war das Publikum - dann wurde tosend applaudiert.

Das Stück ist wirklich empfehlenswert und kann zum Glück am 11. April 2019 nochmal um 19 Uhr im Albert-Einstein-Gymnasium (Lautererstraße 2; 81545 München) bewundert werden.

2 Antworten

  1. Super schönes Stück bei dem einem quasi Dankbarkeit für die eigene Bequemlichkeit im seidensanften Lebensthron von der erstklassigen Schauspielleistung und dem genialen Bühnenbild einprügelt wird
  2. Mina
    Die Rezension weckt mein Interesse. Toll geschrieben und ich wette auch toll gespielt von den Darstellern. Danke für das Teilen deiner Eindrücke! Schade, dass ich mir das nicht angucken konnte.

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